gegenwärtige leiden setzen mir wenig zu: mit jenen, die ich schon verspüre, werde ich leicht fertig, nicht aber mit jenen, die ich fürchten muss. meine erhitzte phantasie verbindet sie zu immer grausigeren gebilden, dreht und wendet sie, erweitert sie, vergrößert sie. wenn ich sie zu erwarten habe, quält mich dies hundertmal mehr, als wenn sie eingetroffen sind, und die drohung erscheint mir viel entsetzlicher als der schlag selber. ist ein übel da, lässt die wirkliche erfahrung alles von ihm abfallen, was die phantasie hinzugetan hatte, und führt es auf sein wahres maß zurück.
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| — |
jean-jacques rousseau, träumereien eines einsamen spaziergängers, 1782
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Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.
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| — | Conrad Ferdinand Meyer, 7.Version 1882 |
Mein Erstes ist nicht wenig,
mein Zweites ist nicht schwer,
mein Ganzes lässt dich hoffen,
doch hoffe nicht zu sehr.
mein Zweites ist nicht schwer,
mein Ganzes lässt dich hoffen,
doch hoffe nicht zu sehr.
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| — | Rätselgedicht Nr. 35 von Friedrich Schleiermacher oder Friedrich Haug |
∼ Der römische Bunnen ∼
Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.
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| — |
Conrad Ferdinand Meyer
aus dem Jahr 1882, in dem er die Fontana dei Cavalli Marini in der Villa Borghese beschreibt.
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Bitte
Wenn du die kleine Hand mir gibst,
Die so viel Ungesagtes sagt,
Hab ich dich jemals dann gefragt,
Ob du mich liebst?
Ich will ja nicht, daß du mich liebst,
Will nur, daß ich dich nahe weiß
Und daß du manchmal stumm und leis
Die Hand mir gibst.
“
| — | H. Hesse |


